Jochen Frickel: Villa Clementine

Ein Polit-Thriller aus Wiesbaden
339 Seiten, Broschur 13x20cm

Roland Reischl Verlag 2018
www.rr-verlag.de
ISBN 978-3-943580-24-2

15,00 €

© 2018 Jochen Frickel
Umschlaggestaltung: Roland Reischl Printed in Germany

Leseprobe

Der Autor vor der Villa Clementine in Wiesbaden - Hauptschauplatz des Romans

 

Der historische Polit-Thriller greift die Ereignisse auf, die als Wiesbadener Prinzenraub bekannt wurden. Weite Teile der Handlung und einige der Personen sind jedoch frei erfunden. 

Der Hauptschauplatz des Romans, die Villa Clementine, beherbergt heute unter anderem das Wiesbadener Literaturhaus.  

 

Der Autor schreibt dazu:  

Vor 130 Jahren stand die Villa Clementine für kurze Zeit im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Was wäre wohl passiert, wenn sich ähnliche Ereignisse wie beim Wiesbadener Prinzenraub in unseren Tagen abgespielt hätten? Was für eine Story! Sie hatte alles, was es braucht, um die Regenbogenpresse, die TV-Boulevardmagazine und die sozialen Medien in helle Aufregung zu versetzen. Rosenkrieg in einem Königshaus, eine Mutter, die verzweifelt um ihr Kind kämpft, politische Intrigen im Hintergrund ... es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, auf wessen Seite sich die öffentliche Meinung heute geschlagen hätte. Wir sehen eine emanzipierte und mutige junge Frau, die einem despotischen Macho mit seinen zahllosen unappetitlichen Affären die Stirn bietet. Klar, wem unsere Sympathie gehört.

Damals war es eher umgekehrt. Eine Frau, die sich offen gegen ihren Gatten auflehnte, galt als äußerst ungehörig – egal, wie sich der Mann benahm. Die Medien ergriffen folgerichtig überwiegend Partei für König Milan. Die Medien – das waren zu dieser Zeit ausschließlich Zeitungen und Zeitschriften. Und doch erreichten und mobilisierten sie die Massen in einem bis dahin nicht bekannten Ausmaß. Gerade war der Rotationsdruck erfunden worden, der die schnelle und kostengünstige Produktion von riesigen Auflagen ermöglichte. Alle wichtigen Tageszeitungen erschienen zweimal, manche sogar dreimal täglich; Extrablätter wurden den Zeitungsjungen buchstäblich aus der Hand gerissen.

„Was wäre das für eine Story geworden!“, bedauert daher der Reporter Manfred Diekholm im vorliegenden Roman, als seine Karriere zu Ende geht. „Sie hatte alle Zutaten, die sich die sensationshungrigen Leser wünschen: Ein fanatischer ausländischer Extremist ... eine geheimnisvolle Grotte, ein versteckter Geheimgang ...“. Nun, diese „Zutaten“ sind natürlich frei erfunden, genau wie der Journalist selbst und die attraktive Privatlehrerin des Prinzen. Andere Personen, wie der serbische Ministerpräsident Hristić und Kriegsminister Protić, sind reale historische Figuren – was aber nicht unbedingt bedeutet, dass sie sich in Wirklichkeit so verhalten haben wie im Roman beschrieben. Das Gleiche gilt für den Wiesbadener Regierungspräsidenten Lothar von Wurmb und den Polizeipräsidenten Paul von Rheinbaben.

Eine Untergrundorganisation mit dem Namen „Schwarze Spinne“ hat es nie gegeben; die hier beschriebenen Ziele und Riten erinnern aber stark an den Geheimbund „Schwarze Hand“, der 15 Jahre später beim Attentat auf König Aleksandar und Königin Draga erstmals in Erscheinung trat und der auch den Anschlag auf den österreichischen Thronfolger im Jahre 1914 plante. Die Schüsse von Sarajevo lösten bekanntlich den Ersten Weltkrieg aus.

Tatsache ist, dass Serbien seit seiner Unabhängigkeit ständig mit inneren Unruhen, Revolten und Attentatsversuchen – teils erfolgreich, teils misslungen – zu kämpfen hatte. Auch Anfang 1888 flammten wieder Unruhen auf. König Milan hatte Natalija im Verdacht, mit den Anführern, die offenbar von Russland und Montenegro unterstützt wurden, zu sympathisieren. Aus diesem Grund wollten er und Teile der Regierung die Rückkehr der Königin nach Serbien um jeden Preis verhindern. Natalija selbst hat jegliche Verbindung zu den Aufständischen stets vehement von sich gewiesen.

Es ging mir bei meinem Roman nicht so sehr um die minutiöse Wiedergabe der historischen Fakten. Verschiedene Details wurden aus dramaturgischen Gründen verändert, verkürzt oder zeitlich verschoben. Es kam mir vor allem darauf an, ein möglichst authentisches Abbild der Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert zu zeichnen – vor der Kulisse der Weltkurstadt Wiesbaden.

Jochen Frickel